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4.2 Miles

4.2 Miles

Wie in den letzten Jahren, nehmen meine Familie und ich an einer Weihnachts/Holiday Patenschaft teil, bei der Kinder aus benachteiligten Familien Weihnachtswünsche an die Paten senden dürfen. Diese sind oft mit sehr großem Aufwand in schönen Briefen verpackt. Die Wünsche sind sehr bescheiden, aber für die Kinder so sehr ersehnt.

Auch dieses Jahr habe ich mir die Zeit genommen, die Geschenke persönlich an der entsprechenden Primary School abzugeben. Und auch dieses Jahr wurde mir bei der Fahrt dorthin wieder bewusst, wie groß die Unterschiede in vielen Aspekten auf kleinstem Raum sind. Die Strecke ist genau 4.2 Meilen lang. Um das zu verdeutlichen: Usain Bolt legt in der Spitze 12.4m/Sekunde zurück, was einer Zeit von etwas über 9 Minuten entspräche, um zu Fuß von einem der teuersten Pflaster der Welt mit Luxus-Penthauswohnungen an den Rand der New Yorker Gesellschaft zu gelangen.

Von Tribeca fahre ich durch den Financial District „Wall Street“ über die Brooklyn Bridge an Dumbo (nicht dem Elefant sondern dem Stadtteil) vorbei – ein neues Szeneviertel, das durch Lagerhausromantik mit Glasfassaden beeindruckt. Weiter Richtung Williamsburg, das durch eine diverse Gesellschaft von Einwanderern verschiedenster Regionen belebt wird. Das Straßenbild ist zwischenzeitlich geprägt von äußerlich heruntergekommenen Werkstätten und Lagerhallen. Die Schule liegt hinter Williamsburg im Viertel Bedford Stuyvesant, einem typischen Wohngebiet in Brooklyn. Dahinter liegt Bushwick, das in den 80er Jahren bekannt wurde durch tausende, meistens durch Versicherungsbetrug motivierte Feuer, die den Stadtteil, verbunden mit entsprechender Kriminalität, weitgehend zerstörten – und jetzt wieder auf dem Weg zum neuen Szeneviertel ist.

Ist es nicht erstaunlich, wie viele unterschiedliche Kulturen auf so engem Raum relativ gut miteinander Arbeiten und Leben können? Und sich dabei ungeachtet der Herkunft oder Religion respektieren? Genau das machte meine Autofahrt zu einem bleibenden Erlebnis – neben dem guten Gefühl für zwei Kinder Weihnachten noch etwas schöner gemacht zu haben.

Ihnen, liebe Leser, wünsche ich geruhsame Weihnachtstage und einen guten Start in das Jahr 2017!

Political Correctness

Political Correctness

Die gute Absicht, diskriminierende Sprache aus dem Alltag zu verbannen, hat sich ad absurdum geführt. Auf die Frage, wie heute die Schule war, antwortet mein 7 jähriger Sohn (geht in Manhattan in die Schule) “ We had an incident which ended in a situation…“ – alles klar!

Schon in jungen Jahren werden Kinder erzogen keine klare Beschreibungen für Themen zu liefern, die eventuell irgendwann, von irgendjemand, in irgendeiner Weise als unangenehm empfunden werden könnten. Auf der anderen Seite ist es auch für die Politik angenehm, wenn man einen sprachlichen Schleier über Themen legen kann, anstatt diese anzugehen. Nur wenn (auch unangenehme) Probleme und Sachverhalte klar beschrieben werden, können auch Lösungen gefunden werden. Auch in Deutschland! Wenn Trump für weniger, dafür aber gesunde „political correctness“ steht – es gibt immer auch positive Aspekte…