Marktkommentar Februar 2022

Kommentar vom CIO Infinigon, Christiane Wenzel

von Infinigon GmbH

28. Februar 2022

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    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserem Marktkommentar.

    Die Eskalation des Ukrainekonfliktes hat nicht zu einer Verkaufsschwemme im CLO-Markt geführt. Neben Zuflüssen in bestehenden Mandaten konnten im Vorfeld der Eskalation Liquidität in den Total Return Strategien geschaffen werden, um selektiv Marktchancen nutzen zu können.

    Investoren haben in den vergangenen Krisen, wie der Finanzkrise und der Pandemie die Erfahrung gemacht, dass CLOs werthaltig sind. Auch unsere internen Analysen, Stresstests und Bewertungen belegen die Stabilität.

    Zu den aktuellen Bewertungen ist zu sagen, dass die Marktteilnehmer Positionen mit wenig veränderten Kaufpreisen offerieren. Die Ankaufkurse sind im Verlauf der Kriegshandlung in der Ukraine heruntergenommen worden, so dass die Bid/Offer Spreads etwas rausgelaufen sind. Dies kann zu “Bewertungsvolatilität” führen.

    Also ganz ohne geringere Preisabschläge ging es in den letzten Wochen leider nicht.

    Marktkommentar vom Infinigon Portfoliomanagement

    Die aktuellen Weltereignisse haben auch die CLO-Märkte beeinflusst. Eine der Hauptkonsequenzen war ein Rückgang der Liquidität am Markt. Käufer wie Verkäufer hatten sich zurückgehalten, um weder teuer zu kaufen, noch zu günstig zu verkaufen. Dabei haben sich die CLO-Renditen nur bedingt ausgeweitet. Die Lehren aus 2020 haben geholfen panische Abverkäufe zu vermeiden; die CLO-Produkte sind hoch besichert, haben nur sehr geringes direktes Exposure zu den direkt betroffenen Ländern und profitieren von steigenden Zinsen. Daher sehen wir schon seit geraumer Zeit Zuflüsse in CLOs sowie in die darunter liegenden Senior Secured Loan Märkte. Dabei waren die Wertpapiere mit kürzerer Laufzeit stabiler.

    Die Ratingagenturen haben im Februar wieder einige wenige CLO-Ratinganpassungen vorgenommen.

    CLO-Rendite

    Eine Ausweitung der CLO-Rendite war zu beobachten. Der Hauptgrund dieser Ausweitung ist eine erweiterte Bid-Offer Spanne. Die Ausweitung pro Ratingkategorie ist wie folgt:

    AAA: 10-20 bps

    AA: 12-20 bps

    A: 25-45 bps

    BBB: 35-55 bps

    BB: 50-75 bps

    B: 100-110 bps

    Die durchschnittlichen Renditen pro Ratingkategorie waren wie folgt:

    Trading-Aktivitäten

    Die Marktaktivitäten haben sich mit steigender Unsicherheit reduziert. Die Anzahl an Auktionen hat sich in der 2. Hälfte des Monats verringert, einige wurden verschoben oder storniert. Bei denjenigen, die stattgefunden haben, war die Anzahl an DNT (nicht gehandelten Positionen) höher als sonst.

    CLO-Neuemissionen und Refinanzierungen

    Die Neuemissionsaktivitäten haben sich Richtung Monatsende auch sehr stark reduziert. Es wurden nur die bereits laufenden Emissionsprozesse zu Ende gebracht. Es bleiben zwar weitere CLO-Warehauses geöffnet, jedoch wurden womöglich die Vermarktungs- und Pricing- Aktivitäten ausgesetzt.

    In Europa haben im Februar 14 CLO-Neuemissionen mit 5,5 Mrd. EUR und 9 Refinanzierungs- und Resets mit 4,1 Mrd. EUR gepreist. YTD 12 Neuemissionen und 14 Refinanzierungen und Resets.

    In den USA gab es im Februar 29 CLO-Neuemissionen mit einem Volumen von 14,6 Mrd. USD und 27 Re-Issue/ Refinanzierungen / Resets mit insgesamt ca. 14,3 Mrd. USD. YTD 38 Neuemissionen und 37 Refinanzierungen und Resets.

    CLO Besicherungspools (besicherte Unternehmenskredite)

    Nach einem sehr positiven Start in das Jahr und einer positiven Performance im Januar wurden auch die Loan-Märkte im Februar von den globalen Ereignissen getroffen.

    Der Euro-Kreditpreisindex hatte im Februar eine Performance von ca. -1,39% (S&P ELLI). In den USA beträgt die Veränderung ca. -0,82% (S&P LSTA). YTD -0,77% Europa und -1,35% USA.

    Der Total Return Index war ebenfalls negativ mit -1,118% in Europa und -0,51% in den USA. YTD -0,72% Europa und -0,13% USA.

    Die bisher sehr niedrige Defaultrate kann potenziell in Zukunft ansteigen, jedoch sind die Experten noch nicht so weit jegliche Prognosen zu geben.

    Quellen: Moody’s, S&P, Morgan Stanley, Citi, JP Morgan, Deutsche Bank, Bloomberg, Bank of America
    nott’s notes

    Jürgen Nott, CEO von Infinigon, lebt und arbeitet seit 2005 in New York City und findet im Alltag von „Big Apple“ immer wieder überraschende Parallelen zur Makro-Ökonomie, über die er hier berichtet.

    Jürgen Nott, CEO von Infinigon, lebt und arbeitet seit 2005 in New York City und findet im Alltag von „Big Apple“ immer wieder überraschende Parallelen zur Makro-Ökonomie, über die er hier berichtet.

    Für Biden und die Demokraten wird es eng…

    Auch wenn aktuell der Fokus von uns allen auf dem Ukrainekonflikt und dem damit verbundenen unermesslichen menschlichen Leid liegt, möchte ich ein paar Gedanken zur Lage in den USA mit Ihnen teilen.

    Die Umfragewerte für Joe Biden sind nahe an historischen Tiefständen für amtierende Präsidenten obwohl die Wirtschaft brummt und im Februar fast 700.000 neue Jobs geschaffen wurden.

    Die Arbeitslosenrate liegt bei 3.8% und damit fast auf dem Vor-Pandemie-Wert. Wenn man diejenigen, die sich vom Arbeitsmarkt verabschiedet haben mit berücksichtigt herrscht Vollbeschäftigung. Auch die “Prime Age Labor Participation“ ist mit 82.2 % ausgesprochen hoch, wenn man auch hier den “The Big Resignation” Effekt berücksichtigt. Auch der Michigan Indikator war besser als erwartet:

    Dagegen sehen die Umfragewerte für Joe Biden katastrophal aus und die Midterm Elections sehen für die Demokraten auch nicht gerade ermutigend aus:

    Auch der historische Vergleich ist ernüchternd:

    Historisch stehen die meisten Amerikaner, auch wenn sich das seit dem Vorgänger von Joe Biden etwas geändert hat, hinter ihrem Präsidenten.

    Im Wesentlichen tragen sie die Entscheidungen in der Masse mit, allerdings machen sie ihren Präsidenten auch gnadenlos verantwortlich für alles, was in seiner Amtszeit passiert – und das unabhängig davon, ob er etwas dafür kann oder nicht

    “IT IS ON HIS WATCH”

    Für Biden heißt das, dass er aktuell drei Probleme hat die ihm angekreidet werden:

    • der missratende Abzug der Amerikaner aus Afghanistan
    • den Krieg in der Ukraine, den er nicht verhindert hat
    • die Inflation, der die Amerikaner ausgesetzt sind. Etwas ausgesetzt sein ohne etwas dagegen tun zu können ist für viele Amerikaner das schlimmste.

    Daher ist die Inflation für Biden eine Priorität auf der einen Seite, die begrenzten Möglichkeiten dies zu ändern aber auch das Dilemma.

    Dazu kommt, wie bereits im Dezember-Newsletter angemerkt, dass nicht nur die Ausgaben inflationsbedingt steigen, sondern das vermeintliche Equity-Vermögen in den Depots und Alterssparplänen, wie dem 401k, seit Monaten abschmelzen.

    68 % der Beschäftigten in der Industrie und 92% der Staatsdiener haben diese 401k. Durch Arbeitnehmer- und Arbeitnehmeranteile erreichen diese beträchtlichen Volumina bis zu mehreren hunderttausend USD. Diese Sparpläne sind fast ausschließlich in Aktien gehalten.

    Auch dass die Hypothekenzinsen in nicht mal einem Jahr von deutlich unter 3% (30 Jahre Festzins) auf über 4% gesprungen sind, wird auf den Häusermarkt durchschlagen, bzw. das Cash Out von House Equity (Wert des Hauses über dem Besicherungswert) erschweren. Alles in Allem wird dem Durchschnittsamerikaner spürbar Liquidität entzogen.

    Daher ist meine persönliche Sicht, dass es sich die FED nicht leisten können wird die Zinsen derart massiv anzuheben, auch weil die Maßnahmen bei einer angebots- und preisbedingten Inflation eher mäßigen Einfluss haben dürften und schnell zu einem unerwünschten Abwürgen des Konsums führen könnten.

    Ich wünsche uns allen und insbesondere den betroffenen Menschen in den Krisengebieten eine schnelle und menschliche Lösung des Konfliktes, die es dann den Bürgern auch erlaubt optimistisch in die Zukunft zu blicken.

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