Marktkommentar September 2021

Infinigon Portfoliomanagement Kommentar zur aktuellen Marktsituation

von Jürgen Nott

30. September 2021

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    Marktkommentar vom Infinigon Portfoliomanagement, Ekaterina Shumakova

    In der zweiten Septemberhälfte hat sich die CLO-Marktaktivität deutlich belebt. Es  gab mehrere Ankündigungen an Neuemissionen und Resets/ Refinanzierungen sowie eine wieder steigende Anzahl an Auktionen.

    Wie sehen weiterhin eine starke Nachfrage von institutioneller Seite. Die Investoren drücken in den CLO-Markt, um Zinsänderungsrisiken abzufedern sowie eine positive Realrendite zu erzielen. Auch deshalb hat die ab Mitte September aufgetauchte Volatilität auf den globalen Finanzmärkten die CLO-Märkte fast nicht betroffen – die Renditen blieben weiterhin stabil und bei AAA CLOs sogar leicht enger.

    Die starke Nachfrage betraf sowohl Primär- wie auch Sekundärtransaktionen.

    Nach einer Vielzahl von Upgrades in den letzten Monaten – als Korrektur zu den pandemiebedingten Downgrades – waren die Aktivitäten der Ratingagenturen überschaubar. Es gab weiterhin vereinzelte Rating-Upgrades von einzelnen CLO-Tranchen.

    Die Performance der Fonds war im September neutral bis positiv.

    CLO-Rendite

    Die CLO-Renditen blieben im September stabil.

    Die durchschnittlichen Renditen pro Ratingkategorie waren wie folgt:

    Trading-Aktivitäten

    Die Sekundärmarktaktivitäten sind parallel mit den Primärmarktaktivitäten wie erwartet angestiegen. Die Märkte waren aktiv durch die ganze CLO-Struktur: von AAAs bis zu Equity.

    CLO-Neuemissionen und Refinanzierungen

    Im September haben sich die Neuemissionsaktivitäten fortgesetzt.

    In Europa war das Q3 mit ca. 10,5 Mrd. EUR an Neuemission eines der Aktivsten was Primary betrifft. Im September haben 10 CLO-Neuemissionen mit ca. 4,2 Mrd. Euro, 2 Resets mit 0,8 Mrd. Eur. und 4 Refinanzierungen mit 1,4 Mrd. EUR gepreist. Seit Jahresanfang gab es 62 Neuemissionen mit ca. 26 Mrd. Eur., 52 Refinanzierungen mit 16 Mrd. Eur. und 83 Resets mit 35 Mrd. Eur.

    In den USA gab es 34 CLO-Neuemissionen mit einem Volumen von 17,5 Mrd. USD und 47 Re-Issue/ Refinanzierungen / Resets mit insgesamt ca. 22,5 Mrd. USD. YDT gab es 259 Neuemissionen mit $ ca.128 Mrd., 9 Re-Issue, 233 Refinanzierungen und 191 Resets mit insgesamt ca. $194 Mrd.

    CLO-Besicherungspools (besicherte Unternehmenskredite)

    Die Kreditmärkte sind im September positiv gelaufen. Aufgrund hoher Nachfrage in den USA (mehrere Neuemissionen) auch von den Loan-Funds getrieben, war der Loanmarkt positiv.

    Im September wurden von der Credit Suisse die 12-Monate rollierende Default Rate von Leveraged Loans publiziert. Seit 6 Monaten hat sich die Defaultrate in Europa von 1,1% (Mai 2021) auf 0,5% (September 2021) reduziert. In den USA von 3,8% (Mai 2021) auf 1,3% (September 2021).

    Der Euro Kreditindex zeigt eine leicht negative Performance für September ca. +0,07% und YTD +1,38% (S&P ELLI). Dies ist nicht ungewöhnlich, da der Euro-Markt weniger durch Loan Funds getrieben ist und häufig dem US-Markt „hinterherläuft“. In den USA beträgt die Veränderung im September 2021 ca. +0,38% (S&P LSTA) und YTD +2,49%.

    Kommentar vom CIO Infinigon, Christiane Wenzel

    Als pro-aktiver CLO-Spezialist haben wir Situationen genutzt, wo Angebot und Nachfrage im Ungleichgewicht lagen.
    Heißt konkret: Nutzung der Sommermonate für Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Mit unseren Käufen tummelten wir uns in den unterschiedlichsten Bonitäten von A, BBB, BB und NR. Auch regional waren wir – sowohl in Nordamerika, als auch in den europäischen Ländern – unterwegs. Durch Timing und geeignete Vorauswahl konnte für die Erwerbspositionen ein Alpha von 0,20% – 0,40% bei IG Bonitäten generiert werden.

    Der Monat September stand bei Infinigon im Zeichen von Vorpositionierungen der kommenden Wochen. Anlageausschusssitzungen, Optimierung von Bilanzen und Themen der allgemeinen Finanzwelt werden in den nächsten Wochen bei vielen Finanzmarktteilnehmern im Fokus stehen. Wir sind bereit, um die uns anvertrauten Fonds aktiv durch diese Marktphase zu navigieren.

    Quellen: Moody’s, S&P, Morgan Stanley, Citi, JP Morgan, Deutsche Bank, Bloomberg, Bank of America
    Die enthaltenen Aussagen zur Marktlage stellen unsere eigene Ansicht der geschilderten Umstände dar. Hiermit ist weder eine Allgemeingültigkeit noch eine Anlageberatung oder -empfehlung verbunden.
    nott’s notes

    Jürgen Nott, CEO von Infinigon, lebt und arbeitet seit 2005 in New York City und findet im Alltag von „Big Apple“ immer wieder überraschende Parallelen zur Makro-Ökonomie, über die er hier berichtet.

    Jürgen Nott, CEO von Infinigon, lebt und arbeitet seit 2005 in New York City und findet im Alltag von „Big Apple“ immer wieder überraschende Parallelen zur Makro-Ökonomie, über die er hier berichtet.

    Führt Biden die USA in die soziale Marktwirtschaft?

    Ein Beitrag von Jürgen Nott, New York (CEO Infinigon)

    In den USA bleibt es spannend.

    Das Infrastrukturpaket hängt am seidenen Faden. Da Biden nicht auf die Stimmen der Republikaner zählen kann, braucht er alle 50 Stimmen im Senat plus der Stimme von Vice President Harris. Bidens Problem heißen Kyrsten Sinema, Senatorin aus Arizona sowie Joe Manchin – ein demokratischer Senator aus West Virginia. Beide drohen gegen das Infrastrukturpaket zu stimmen. Hier offenbart sich der Richtungsstreit innerhalb der Demokraten – eher traditionell gegen liberal – oder was die Verschuldung betrifft „maßvoll“ gegen „aufs Ganze“. Biden hat meines Erachtens auf seiner Agenda die USA in eine soziale Marktwirtschaft umzubauen. Dies hat meiner Ansicht nach folgende Gründe:

    • Stabilisierung der Demokratie durch breitere Bildung, gerechter empfundene Verteilung von Kapital, mehr Chancengleichheit, aber auch die Vorwegnahme von (wie man es auch nennen mag) bedingungslosem Grundeinkommen, da aufgrund mangelnder globaler Wettbewerbsfähigkeit und dem technologischen Fortschritt zig Millionen Jobs nicht nur gefährdet sind, sondern wegfallen werden.
    • Verbreiterung der Wählerbasis für die Demokraten durch breitere Bildung und mehr (empfundener) Gerechtigkeit.

    Auch war es spannend, was den Schuldendeckel betrifft. Hier ist es interessant, dass es um Schulden geht, die bereits vom Senat und Kongress beschlossen wurden – hier zum Beispiel die Mehrausgaben durch die Pandemie in Verbindung mit nicht gegenfinanzierten Steuergeschenken an die Unternehmen und Reichen (hier kann man den Begriff glaube ich zurecht benutzen). Also es gibt letztlich keine Alternativen, als entweder die Schuldengrenze anzuheben, oder eben in Default zu gehen, da die Schulden bereits gemacht wurden. Somit wird das immer wiederkehrende Theater dazu eher zum Pokerspiel, um der jeweiligen Gegenseite – die gerade am Ruder ist – etwas abzugewinnen. So ist halt Politik und die Börsen, Wirtschaft und Investoren müssen damit leben…

    Was aktuell noch dazukommt ist, dass die Fed mit ihren zwei Zielen, die ihr vom Kongress vorgegeben wurden – Währungsstabilität und Vollbeschäftigung – zwischen drei Stühlen sitzt. Auf der einen Seite scheinen beide Ziele aktuell unvereinbar. Auf der anderen Seite kämpft sie nach Ansicht nicht weniger Experten gegen eine Fiskalpolitik, die es aktuell Menschen leichter macht keinen Job zu suchen und damit die Vollbeschäftigung, zumindest so wie diese aktuell definiert ist, erschwert.

    Auch wenn das „big picture“ sehr komplex scheint – im Kleinen zeigt sich die Flexibilität und Agilität am Beispiel Radweg. Ein paar Eimer Farbe und buchstäblich über Nacht ist der neue Radweg fertig – gut geschützt durch die neu entstandenen Parkflächen – die Verkehrsberuhigung gibt’s noch obendrauf…

    Damit wünsche ich Ihnen noch einen „goldenen Herbst“ und machen Sie es gut!

    Ihr Jürgen Nott

    Quellen: Moody’s, S&P, Morgan Stanley, Citi, JP Morgan, Deutsche Bank, Bloomberg, Bank of America
    Die enthaltenen Aussagen zur Marktlage stellen unsere eigene Ansicht der geschilderten Umstände dar. Hiermit ist weder eine Allgemeingültigkeit noch eine Anlageberatung oder -empfehlung verbunden.
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