nott’s notes

Jürgen Nott, CEO von Infinigon, lebt und arbeitet seit 2005 in New York City und findet im Alltag von „Big Apple“ immer wieder überraschende Parallelen zur Makro-Ökonomie, über die er hier berichtet.

Demokratie oder Inflation – Biden gegen die FED

von Infinigon GmbH

01. September 2022

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    Joe Bidens Mission (aus seiner Sicht) ist es die Demokratie Amerikas zu retten. Und hier kann man durchaus Draghi zitieren „whatever it takes“. Auch das Programm zur Reduzierung der „Student Debt“, das Infrastrukturpaket sowie das „Chips and Sience Act of 2022“ sind Versuche durch Umverteilung und die Schaffung von Jobs die Demokratie zu retten. Joe Biden ist (wahrscheinlich zurecht) davon überzeugt, man könnte auch sagen aufgrund der Anti-Demokratie-Bewegung davon besessen, dass es eines gesunden Mittelstands bedarf, um radikale politische Strömungen abzublocken. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er sich nicht auch, wie vielleicht auch ehemalige und aktuelle deutsche Politiker, zu sehr von den Medien beeinflussen lässt. Mein Eindruck nach einem Roadtrip durch Wyoming und Montana – beides traditionell republikanisch geprägt – ist, dass die Menschen dort, was Bundespolitik in Washington betrifft, eher unpolitisch sind und lediglich traditionell wählen, wie es in ländlichen Regionen auch in Deutschland der Fall ist. „All what matters is what happens in town“ war die Aussage eines Farmers in Landers, WY. Das trifft wohl auf viele ländliche Regionen in den USA zu. Die Menschen dort haben allerdings auch andere Probleme, wie man leicht sieht:

    Damit ist Joe Biden ein geldpolitischer Gegenspieler zu Jerome Powell, der Kapital der Volkswirtschaft entziehen will und muss, um die Inflation im Zaum zu halten. Jerome Powell hat hierzu eine klare Stellung bezogen – er kann als FED nicht gegen eine gegengesetzte Fiskalpolitik agieren – damit bleibt es spannend.

    Ich bleibe dabei – am Ende wird der Konsument in den USA den Ausschlag geben, ob die Mission Inflationsbekämpfung mit Soft Landing gelingt. Hier mehren sich die Zeichen, dass dem Konsumenten die Luft ausgeht. Hierfür mehren sich die Zeichen:

    • Kreditkartenschulden steigen weiter (die teuerste Form der Verschuldung)
    • Das Durchschnittseinkommen der Einkäufer in Discount Stores wie Dollar Tree steigt. Das zeigt, dass auch der Mittelstand anfängt seine Ausgabenverhalten anzupassen.
    • Es werden mehr generische Marken gekauft, die günstiger sind (Aldi-Effekt)
    • In den „Backyards“ sieht man immer mehr „Sales“ Schilder, sei es Häuser, Autos oder Boote
    • Anstieg der Home Equity Loans, um Immobilien zu Cash zu machen.

    Wie immer, es bleibt spannend und definitiv nicht so, wie es ist.

    Ihnen wünsche ich einen schönen September und eine erfolgreiche Hand!

    Die enthaltenen Aussagen zur Marktlage stellen unsere eigene Ansicht der geschilderten Umstände dar. Hiermit ist weder eine Allgemeingültigkeit noch eine Anlageberatung oder -empfehlung verbunden.
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