+ 49 211 3105 4160
  • de
  • en
Wenn der Glaube Märkte versetzt…

Wenn der Glaube Märkte versetzt…

Über Jahrzehnte hat die FED und der sogenannte „Greenspan & Bernanke Put“ zu einer positiven Verzerrung der Erwartungswerte von Aktieninvestments geführt. Die alte Regel: bei Aktien kann man 100 % verlieren, galt nicht mehr da die FED die Märkte wieder „raushauen“ würde. Dies hat über die Zeit zu einer neuen Realität geführt, die solange funktionieren wird, wie das Vertrauen in die Institution besteht.

Die letzten Monate hatte ich sehr viele Gespräche zu „the Donald“. Mein Eindruck ist, dass immer mehr Marktteilnehmer es als eine neue Realität ansehen, dass der Präsident die (amerikanischen) Aktienmärkte als den einzigen objektiven Gradmesser seiner Politik betrachtet.

Diesen Gedanken konsequent zu Ende gedacht, würde bedeuten dass alle politischen Entscheidungen diesem einen Ziel untergeordnet werden.
Im Gegensatz zur FED, der man als Institution und bei der Betrachtung ihrer Aufgabe einen langfristigen Horizont unterstellen kann, dauert eine Präsidentschaftsperiode 4 Jahre und Märkte denken in Quartalen – Markoff lässt grüßen.

Trump Trade und Fed Put….

Trump Trade und Fed Put….

Wer versteht denn noch was „The Donald“ wirklich vorhat? Und was überhaupt so passieren wird wie Mr. President es sich vorstellt?

Er will als der größte Jobgenerator in die Geschichte der USA eingehen – bei de facto Vollbeschäftigung.
Er will eine starke chinesische Währung und einen starken EURO um Exporte aus den USA zu fördern und amerikanische Waren wettbewerbsfähiger machen. Er geht wohl davon aus, dass wenn er die USA von allen Importen abschottet, die USA trotzdem noch eifrig exportieren können. Passt irgendwie nicht zu den aktuellen Handelsströmen in denen China und Europa die Hauptpartner und weltweit größten Exporteure sind – wenn das Wort „Partner“ überhaupt noch passt.

Warum interessiert ihn der USD/Yuan/Euro überhaupt noch wenn die USA mit dem Rest der Welt nichts mehr zu handeln hat?
Was, wenn der Trump Hype an der Börse weicht und Unsicherheit, Depression und das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik, die Finanzpolitik und in die Politik an sich, ja vielleicht sogar in die Demokratie ganz verloren geht? Eine Flucht in sichere Anlagen einsetzt, Treasuries neue

Höchststände erreichen, der Dollar in den Keller taucht und der politische Wille nicht mehr da ist den FED Put zu ziehen?
Japan, Deutschland und andere Länder haben gezeigt, das Unternehmen nicht wegen der Politik sondern trotz der Politik in der Lage sind, Volkswirtschaften in Gang zu halten und erfolgreich unternehmerisch aktiv zu sein. In diesem Sinne – auch morgen geht die Sonne wieder auf und die Welt dreht sich weiter.

Zieht Trump den Trumpf?

Zieht Trump den Trumpf?

Ich hoffe dass Sie, liebe Leser, alle gut ins neue Jahr gestartet sind!

In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit mit Amerikanern aus verschiedensten Teilen des Landes zu sprechen. „White Collar“ und „Blue Collar“ Arbeiter, Bewohner ländlicher Regionen und Besucher aus anderen US-Städten.

Alle eint, dass dem Trump Schock der amerikanische Pragmatismus folgt – er ist jetzt unser Präsident und wir müssen das Beste daraus machen.
Dazu kommt der typische Optimismus, der sich wohl am besten so beschreiben lässt: Amerikaner sehen das Glas lieber halb voll als halb leer. Um einen Bekannten von mir zu zitieren: „I always see the glass half full and if I see it half empty – I simply add an ice cube“ – diesen Spruch hörte ich als wir über Trump sprachen, den er persönlich kennt.

Auch eint alle dass sie zwar politisch nicht immer auf einer Linie mit den zukünftig ernannten Politikern liegen aber ihnen trotzdem großer Sachverstand zugestanden wird. Auf die Frage ob Trump abgesetzt werden kann (wie in Deutschland durch Misstrauensvotum) gibt es das „impeachment“, das aber zur Folge hat das sein mindestens genauso umstrittener Vize Pence das Ruder übernimmt. Es gab den Fall im Zusammenhang mit Bill Clinton, Andrew Johnson und Richard Nixon (nicht erfolgreich, da er vorher das Amt niederlegte) – wer es nachschlagen möchte.

Die große Frage aus meiner Sicht wird sein: Kann Trump den „confidence joker“ ziehen und durch Vertrauen in seine Politik Investitionen im großen Maßstab auslösen oder führt seine Unberechenbarkeit genau zum Gegenteil: die Unternehmen machen die Taschen zu und die Wirtschaft steuert auf eine Rezession zu? Aktuell sind alle Szenarien denkbar – aber hier sehe ich es wie die Amerikaner: das Glas ist halb voll solange es nicht halb leer ist (und zur Not habe ich genug Eiswürfel im Kühlschrank).
In diesem Sinne einen guten Start ins Trump Jahr 2017

4.2 Miles

4.2 Miles

Wie in den letzten Jahren, nehmen meine Familie und ich an einer Weihnachts/Holiday Patenschaft teil, bei der Kinder aus benachteiligten Familien Weihnachtswünsche an die Paten senden dürfen. Diese sind oft mit sehr großem Aufwand in schönen Briefen verpackt. Die Wünsche sind sehr bescheiden, aber für die Kinder so sehr ersehnt.

Auch dieses Jahr habe ich mir die Zeit genommen, die Geschenke persönlich an der entsprechenden Primary School abzugeben. Und auch dieses Jahr wurde mir bei der Fahrt dorthin wieder bewusst, wie groß die Unterschiede in vielen Aspekten auf kleinstem Raum sind. Die Strecke ist genau 4.2 Meilen lang. Um das zu verdeutlichen: Usain Bolt legt in der Spitze 12.4m/Sekunde zurück, was einer Zeit von etwas über 9 Minuten entspräche, um zu Fuß von einem der teuersten Pflaster der Welt mit Luxus-Penthauswohnungen an den Rand der New Yorker Gesellschaft zu gelangen.

Von Tribeca fahre ich durch den Financial District „Wall Street“ über die Brooklyn Bridge an Dumbo (nicht dem Elefant sondern dem Stadtteil) vorbei – ein neues Szeneviertel, das durch Lagerhausromantik mit Glasfassaden beeindruckt. Weiter Richtung Williamsburg, das durch eine diverse Gesellschaft von Einwanderern verschiedenster Regionen belebt wird. Das Straßenbild ist zwischenzeitlich geprägt von äußerlich heruntergekommenen Werkstätten und Lagerhallen. Die Schule liegt hinter Williamsburg im Viertel Bedford Stuyvesant, einem typischen Wohngebiet in Brooklyn. Dahinter liegt Bushwick, das in den 80er Jahren bekannt wurde durch tausende, meistens durch Versicherungsbetrug motivierte Feuer, die den Stadtteil, verbunden mit entsprechender Kriminalität, weitgehend zerstörten – und jetzt wieder auf dem Weg zum neuen Szeneviertel ist.

Ist es nicht erstaunlich, wie viele unterschiedliche Kulturen auf so engem Raum relativ gut miteinander Arbeiten und Leben können? Und sich dabei ungeachtet der Herkunft oder Religion respektieren? Genau das machte meine Autofahrt zu einem bleibenden Erlebnis – neben dem guten Gefühl für zwei Kinder Weihnachten noch etwas schöner gemacht zu haben.

Ihnen, liebe Leser, wünsche ich geruhsame Weihnachtstage und einen guten Start in das Jahr 2017!

Political Correctness

Political Correctness

Die gute Absicht, diskriminierende Sprache aus dem Alltag zu verbannen, hat sich ad absurdum geführt. Auf die Frage, wie heute die Schule war, antwortet mein 7 jähriger Sohn (geht in Manhattan in die Schule) “ We had an incident which ended in a situation…“ – alles klar!

Schon in jungen Jahren werden Kinder erzogen keine klare Beschreibungen für Themen zu liefern, die eventuell irgendwann, von irgendjemand, in irgendeiner Weise als unangenehm empfunden werden könnten. Auf der anderen Seite ist es auch für die Politik angenehm, wenn man einen sprachlichen Schleier über Themen legen kann, anstatt diese anzugehen. Nur wenn (auch unangenehme) Probleme und Sachverhalte klar beschrieben werden, können auch Lösungen gefunden werden. Auch in Deutschland! Wenn Trump für weniger, dafür aber gesunde „political correctness“ steht – es gibt immer auch positive Aspekte…